Leserbriefe auf die Berichterstattung vom Pfarrertag in "Unsere Kirche"

 

Die zweite Seite der Medaille

UK 27/09 Leserbrief zu Nahost (Seite 2: „Obamas Mut")
Dem Leserbrief ist zu entnehmen, dass dem Schreiber sehr viel am Frieden in Nahost liegt. Doch alle Medaillen haben zwei Seiten. Wenn man im Leserbrief das Wort „Israel" durch das Wort „Araber" ersetzt und das Wort „Siedlungspolitik" durch „Existenzrecht Israels", dann ergibt sich diese zweite Seite zur gesamten Medaille. Soweit es dem amerikanischen Präsidenten Obama gelingt, das Existenzrecht für Israel eindeutig zu sichern, dann freut sich der israelische Premierminister Netanjahu, auch Zugeständnisse machen zu können. Unter Angst Zugeständnisse zu machen, das wird auch Obama nicht einfordern können.

Wilhelm Wessler, Wetter

 

Woher soll Vertrauen kommen?

UK 28/09 Pfarrertag (Seite 4: „Pfarramt in der Krise")
Den Ausführungen von Ulrich Conrad kann ich nur zustimmen. Synoden sehen Pfarrer und Pfarrerinnen als Kostenfaktor, für die Kirchenleitung sind sie Verfügungsmasse. Konflikte werden meist zulasten der Theologen gelöst, diese mit den dann vorhandenen Problemen und psychischen Folgen allein gelassen. Wertschätzung und gabenorientierter Einsatz - das sind nur Schlagworte in schönen Papieren! Woher soll da Vertrauen kommen? Man sollte sich weniger darüber wundern, dass die Vikariatskurse nicht voll werden, eher darüber, dass es überhaupt noch Menschen ins Pfarramt zieht.

Peter M. Fischer, Herne

 

Wir sollten uns freuen!

UK 28/09 Leserbrief zu: Westfälischer Pfarrer wird Europa-Abgeordneter der Linken (Seite 2: „Unbegreiflich") Warum soll der Pfarrer denn nicht Abgeordneter der Linken werden? Sollten wir uns nicht freuen, dass Gott seine Leute überall sitzen hat, als Motorradfahrer, als Fußballspieler, als Geiger und Flötisten, als Mediziner und als Politiker? Hat Jesus nicht gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde"?. Warum soll nicht ein „Linker" Christ das Salz der Erde sein in seiner Partei. Keine Partei hat nur gute oder nur „böse" Mitglieder. Der Geist Gottes weht, wo er will - warum nicht unter den Linken?

Irma Knappertsbusch, Bielefeld

 

Sorge um Klima: Alles Schwindel?

UK 27/09 Klima (Seite 10: VEMWanderausstellung)
Man hat sich daran gewöhnt, dass in UK immer wieder Artikel zum Thema „Klima" veröffentlicht werden. Es ist an der Zeit, dass auch dazu kritisch Stellung bezogen wird. Darum weise ich hin auf die Arbeit von Kurt G. Blüchel: Der Klimaschwindel, C. Bertelsmann Verlag. Darin werden Fakten geboten, die nicht zu widerlegen sind, die aber vermuten lassen, dass eine Klimalobby, ich vermeide „Klimamafia" uns nur abzocken will.

Johannes Henkel, Steinfurt-Borghorst

 

Keine Schonung

UK 26/09 Senkung des Wahlalters (Seite 10: „Wählen ab 16?)
Wenn Jugendliche ab 16 Jahren wählen sollen, dann müssen sie auch in Kauf nehmen, dass sie bei Straftaten nicht unter das Jugendstrafrecht fallen. Einerseits will man mitbestimmen, andererseits will man geschont werden.

Günter Beyer, Anklam

 

Pfarrerausbildung: Wir ernten jetzt, was wir gesät haben

UK 27/09 Pfarrerausbildung (Seite 4: „Neue Regeln für das Vikariat")

Der Bericht über die Kooperation von vier Landeskirchen im Bereich der Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrer und die darin zitierten Äußerungen von Präses Buß (Westfalen) und Präses Schneider (Rheinland) verschweigen einige ganz wesentliche Faktoren, die zu der Kooperation geführt haben. Denn diese Kooperation ist doch weniger „ein ganz starkes Zukunftsprojekt" und auch kein Ausweis, dass man einen Schlüsselbereich kirchlicher Arbeit stärken will.

Es ist vielmehr ein Armutszeugnis, denn es gibt vor allem im Rheinland und in Westfalen eine eklatante Armut an Theologiestudierenden und Vikarinnen und Vikaren. Es gibt inzwischen so wenige junge Menschen, die Pfarrerin oder Pfarrer werden wollen, dass sich ein Predigerseminar in Westfalen nicht mehr sinnvoll betreiben lässt. Zur

Zeit gibt es in Westfalen, der viertgrößten Landeskirche in Deutschland mit knapp 600 Gemeinden, nur noch 137 Theologiestudierende und 26 Vikarinnen und Vikare, im Herbst kommen noch zehn dazu. Mit so wenigen Theologiestudierenden und Vikarinnen und Vikaren, von denen übrigens inzwischen die Mehrheit Frauen sind, wird sich in Zukunft selbst eine arg reduzierte Pfarrerschaft nicht mehr erhalten lassen.

Gemeinden und Presbyterien und die Pfarrerschaft müssen sich auf einen erheblichen Pfarrer(innen)mangel einstellen. Wer sich über den Weg der Kirche in die Zukunft Gedanken macht, sollte sich auch über diese Zusammenhänge Gedanken machen.

Vielleicht wird ja jetzt geerntet, was man jahrelang gesät hat.

Steffen Bäcker, Preußisch-Oldendorf

 

Bundeswehr: Wir wollen sie lebend zurück!

UK 28/09 Leitartikel Afghanistan (Seite 1: „Sand in den Augen")
Der UK-Leitartikel stellt zu Recht fest, dass man in Berliner Ministerien nicht von einem Krieg in Afghanistan spricht, während Militärbischof Dutzmann die Situation mit dem diplomatischen Satz umschreibt, dass sei „Krieg und doch nicht Krieg". Dennoch gibt es einen heftigen Streit zwischen Politikern und Angehörigen von NGO's (Non Government Organisations) und Verteidigungsminister Jung, welcher juristisch zu Recht weiterhin auf seiner Feststellung besteht, dass ein Kampf gegen den Terror kein Krieg ist und zugleich dabei an die große militärische Auseinandersetzung von 1939 - 1945 denkt und sich hierauf beruft. Jedoch ist eine derartige Definition aus einem anderen Jahrhundert und einer anderen Weltordnung.

In einem Land wie z.B. Afghanistan greiftdiese Regel längst nicht mehr, da dieradikal-islamische Taliban keinem bestimmten Staat angehört, sondern im weitesten Sinne einer Religionsgemeinschaft. Häufig stammen sie nicht aus der Region, wo sie militärisch operieren, sondern sickern durch das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet hindurch und demnach findet auch in Afghanistan kein Bürgerkrieg statt. Die Taliban-Kämpfer verstehen ihren Kampf als einen „heiligen Krieg" in göttlichem Auftrag und sehen sich daher zu allen Kampfformen legitimiert. Die Bundeswehr ist aber nicht mit einem Kampfauftrag nach Afghanistan geschickt worden und ihr aktuelles Mandat basiert auf der UN-Resolution 1623, ein sicheres Umfeld zu schaffen, um den Wiederaufbau zu ermöglichen. Dagegen haben die bärtigen „Gottesdiener" das Ziel, die Ungläubigen aus Afghanistan zu vertreiben.

Experten haben inzwischen den Begriff vom „asymmetrischen Krieg" zwischen zwei ungleichen Gegnern
gewählt. Krieg in neuer Form ist demnach eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Gruppen, so
unterschiedlich sie auch sein mögen. Deshalb sollte auch unsere Kirche jetzt den sofortigen Abzug der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan offiziell einfordern, damit eine lebendige Rückkehr unserer Mitmenschen
in Uniform in der Heimat erwartet werden kann.
Manfred König, Bochum-Weitmar

 

Hütet Euch vor den Intellektuellen ...

UK 27/09 Leserbrief Burkert (Seite 2: „Von basaler Beschaffenheit"), 24/09 Andacht Lindemann (Seite 3: „Nikodemus will's wissen")

Um „wurzelartig angelegte Bausteine basaler Beschaffenheit" des Themas „Trinitatis" (Burkert) in der Nikodemus Andacht zu erkennen oder über Besonderheiten des „Geistes" (Lindemann) zu spekulieren, fehlen mir die Voraussetzungen. Hierzu bedarf es wohl des speziellen Interesses und der akademischen Bildung von Berufschristen.

Mir sagt der Text: Er, der hoch angesehene und gebildete Pharisäer weiß Bescheid. Im theologischen Diskurs mit den Kollegen des Hohen Rates wurde aufgrund der geschehenen Zeichen ein begründetes und wohlwollendes Bild von Jesus erarbeitet: Wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen. Ihnen und mit ihnen allen gebildeten Eliten wird jedoch gesagt, dass sie das, worauf es eigentlich ankommt, trotz intellektueller Brillanz nicht wahrnehmen können. Gerade ihre auf Bildung beruhende, hoch angesehene gesellschaftliche Stellung steht ihnen im Wege. Mit ihrem „intellektuellen Reichtum" geht es ihnen wie dem reichen Jüngling mit seinem materiellen. Sie können nicht in das Reich Gottes kommen und esdamit auch nicht erkennen. Voraussetzung ist eine neue Identität, ein neu geboren werden aus Wasser und Geist.

Eine Identität der leeren Hände, der Armut. Nur ihnen - den Armen - wird das Evangelium gepredigt. Wahre Erkenntnis des Gottesreiches erschließt sich nur im Glaubensprozess, und der ist unabhängig von besonderen intellektuellen Fähigkeiten und gesellschaftlichen Erkenntnisprozessen.

Helmut Huck, Billerbeck

 

Fremd

UK 27/09 Leserbrief Burkert (Seite 2: „Von basaler Beschaffenheit"), 24/09 Andacht Lindemann (Seite 3: „Nikodemus will's wissen")
Frage: Muss jeder nicht gerade im Gebrauch von Fremdwörtern geübte Leser den Fremdwörter-Duden zu Rate ziehen? Im Leserbrief Burkert finde ich: Konsistent. Metaphorisch. Basal. Relevant. Pneumabezogen. Prototypisch. Allegorisch. Dynamisch. Divinatorisch. Substantionell. Rational.

Manche dieser Fremdwörter müssten doch zu vermeiden sein.
Volkmar Rothhaupt, Erndtebrück


Das tut weh

UK 29/09 Leserbrief Grajetzky, Bochum (Seite 2: „Eine Satire! Ja, schön wär's. Tatsächlich ist es bitterer Ernst...), 27/09 Leserbrief Burkert (Seite 2: „Von basaler Beschaffenheit") Der Verfasser des Leserbriefs „Eine Satire..." kreidet mir an, ich hätte „die schöne biblische Erzählung" (das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus, Johannes 3,1-8) „unter dem Schutt theologischer Begriffe begraben".
Dieses Begräbnisbild tut weh. Denn ich hatte mich insbesondere um pneumatologische Vertiefung bemüht. Immerhin lautete mein Schlusssatz: „Geist als Geschehen, in dem sich Gott in Jesus Christus bekundet, schenkt neues und damit Anteil an unvergänglichem Leben."

Ist das „Schutt theologischer Begriffe?" Das Gegenteil trifft zu. Wie sagte schon Dietrich Bonhoeffer: „Wenn die Kirche seit Jahrhunderten von dem freieinigen Gott lehrt, so ist dies gerade alles andere als rationalistische Verhärtung der Religion, sondern es ist ... ein dauerndes Hinweisenwollen ... auf das Geheimnis des lebendigen Gottes."
H. Dieter Burkert, Dortmund

 

Der Pfarrer in der Gemeinde: kein „Job", sondern Berufung

UK 28/09 Pfarrertag (Seite 4: „Pfarramt in der Krise")
Wenn mir Gemeindeglieder einer anderen Landeskirche mit Resignation erzählen, dass ihrem Pfarrer die Nähe zur Gemeinde völlig abgeht, sie aber wissen, dass sie sich bis zu seinem Ruhestand mit ihm „abfinden" müssen, dann ist dies traurig. Und ein Punkt, der dringend korrekturbedürftig ist. Dieser Pfarrer ist nicht träge, er versieht seinen Dienst aus seiner Sicht theologisch hervorragend, er bekommt aber nicht den Draht zu seinen „Schäfchen".

Gleichwohl ist die Unkündbarkeit ein Phänomen, das man auf dem Arbeitsmarkt suchen muss.

Wenn ich erlebe, dass eine äußerst befähigte Pfarrerin, die wegen des Zuzugs aus einer anderen Landeskirche nicht in den Pfarrdienst übernommen wird, die daher als „Nur-Hausfrau" sehr engagiert ehrenamtlich tätig ist und gelegentlich mit Vertretungen ihr Leben ausfüllt, dann schmerzt das sehr, da sie den Kontakt zu den Gemeindegliedern nicht mühsam suchen muss - sie hat ihn.

Wir haben - Gott sei Dank - eine Vielzahl von Theologinnen und Theologen, die ihren Dienst als Berufung empfinden und auch ausüben. Es können aber zehn solcher Pfarrer nicht korrigieren, was ein „schwarzes Schaf" durch eine Dienstauffassung in der Art eines „Jobs" schadet.

Um 1980 herum schrieb ich an den damaligen Präses Heinrich Reiß im Auftrag des Presbyteriums. Es ging um einen so genannten Lumpensammlerkurs, bei dem letztmalig Diakonen u.a. Gelegenheit gegeben werden sollte, die Befähigung zur Verwaltung einer Pfarrstelle zu bekommen. Die Landeskirchenleitung wollte dies nur begrenzt oder gar nicht, wegen der zu erwartenden „Pfarrerschwemme". Sinngemäß fragte ich damals, ob durch deutsche Lande eine Erweckungsbewegung gegangen sei, dass so viele den Beruf des Pfarrers anstrebten, oder ob nicht vielleicht andere Gesichtspunkte die Arbeitssuchenden in diesen „Job" trieben. Ich nannte

  • Numerus Clausus in anderen Studienzweigen,
  • die (damalige) Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Wenn diese Vermutungen zumindest teilweise richtig waren, dann wären die damaligen Berufsanfänger heute in Amt und Würden.

Zum Zweiten: Es wird beklagt, dass der Pfarrberuf an Wertschätzung verliert. Wie würden Sie urteilen, wenn Sie in Ihrem Beruf den ehrenamtlichen Dienst etwa eines Presbyters wahrnehmen und nach Dienstschluss zur Sitzung fahren und erfahren, dass Pfarrer in einem Arbeitskreis die erforderlichen Arbeitszeiten für die verschiedenen Tätigkeiten eines Pfarrers auflisten, um diesen Zeitaufwand der Dienstzeit gegenüberzustellen? Was glauben Sie, wie motiviert ein solcher ehrenamtlicher Mitarbeiter ist?

Wie beurteilt man, wenn eine Gemeinde mit drei Bezirken, die alle ein eigenes Pfarrhaus und eine Predigtstätte haben, die jetzt noch zwei Pfarrer der Gemeinde in einem Bezirk wohnen lässt, befürwortet vom Superintendenten und Kreissynodalvorstand mit der Begründung, dass es wegen der Kommunikation unter den Pfarrern notwendig sei (im Zeitalter von Telefon, Telefax, Internet, Handy). Erkennt man denn bei „Kirchens" nicht, dass ein Pfarrer im Bezirk Kirche repräsentiert, sei es beim Gang über die Straße oder sonstigen vielfältigen Begegnungen. Mich würde freuen, wenn die sich beklagenden Pfarrer sich auf ihre Berufung besinnen würden. Bei der Einrichtung der Schwerpunktpfarrstellen wurde bereits festgestellt, dass die Arbeitszeit des Gemeindepfarrers im Gegensatz zu der eines Schwerpunktpfarrers nicht abzugrenzen ist. Das ist so und kann auch meines Erachtens nicht abgestellt werden.

Johannes Hilse, Castrop-Rauxel