Landessynode 2004

 

Die Synode nimmt sich Zeit


Ein Bericht von Jan-Christoph Borries, Mitglied im Vorstand des PV, der für den Kirchenkreis Münster an der Synode teilnahm.

Zum ersten Mal wurde ich als Mitglied der Landessynode mit all dem Vorbereitungs- und Tagungsmaterial konfrontiert, das ein Kirchenparlament so mit sich bringt. Überraschend kam das nicht, schließlich wurden viele Themen bereits im Vorfeld im Vorstand des Pfarrvereins diskutiert. Beruhigend trotz aller Fülle des Materials: Die Synode nimmt sich Zeit, kein Thema wird mit links behandelt. Zum ersten Mal leitete Alfred Buß als Präses die Synode. Umsichtig und ruhig, souverän und das Gegenüber wertschätzend, bewältigte er diese Aufgabe. Superintendent Ernst Walter Voßwinkel ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen: "Du siehst uns immer so gütig an.". In seinem ersten Bericht zur Synode setzte sich Präses Buß ausführlich mit der angespannten finanziellen Lage der westfälischen Kirche auseinander.

Bei aller Wertschätzung, die aus den Worten des Präses spricht, bei aller realistischen Würdigung der finanziellen Opfer, die Pfarrerinnen und Pfarrer bereits erbracht haben, bleibt doch ein zwiespältiger Eindruck haften. So berichteten die Tageszeitungen vor allem zu der Äußerung des Präses, daß es zu viele Theologinnen und Theologen gäbe. Auch wenn Präses Buß von einer erneuten Diskussion abrät - andere haben längst mit ihr begonnen. So schrieb "Unsere Kirche" gar, daß im Hinblick auf die Finanzen der Zukunft, der Hinweis auf den Beamtenstatus der Geistlichen "nicht das letzte Wort" sein könne. Die Planungen im Zuge des Reformprozesses zur Förderung von Ehrenamtlichen und Haupt-beruflichen und zur Reform des Pfarrbildes, die nun eine Einheit bilden, beinhalten viel Zündstoff.

Unter der Überschrift "In der Kirche unter den gegenwärtigen Bedingungen miteinander arbeiten" soll in den Projektgruppen eine Prioritätendiskussion und eine Aufgabenkritik erfolgen. Darüber hinaus soll beschrieben werden, "wie eine Balance zwischen TheologInnen, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zukünftig erreicht und ausgestaltet werden kann." Wie wird diese Diskussion geführt werden?

Werden theologische Grundvoraussetzungen zum Amt der Verkündigung Berücksichtigung finden? Werden die Mitgliederbefragungen der EKD herangezogen, in denen die Kirchenmitglieder die Pfarrerinnen und Pfarrer als die wichtigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würdigen? Von den neuesten Umfragen von Allensbach & Co, nach denen der Pfarrberuf noch immer auf Platz zwei der angesehensten Berufe, nach dem Arztberuf, steht, ganz zu schweigen.

Konnte man bei einigen Synodalen ab und zu den Einruck gewinnen, daß es mit ihrer Wertschätzung der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht so weit her ist, so war es auf der anderen Seite erfreulich zu hören, wie einige Superintendenten eine Lanze für ihre Schwestern und Brüder im Verkündigungsamt brachen. Hier gibt es noch viel zu tun. Nämlich deutlich zu machen, daß es um theologische Grundentscheidungen geht und nicht nur um nackte Zahlen. Nicht zum ersten Mal wurde von einigen Synodalen die mangelnde Kommunikation zwischen Kirchenleitung und Pfarrerschaft bemängelt.

An der Diskussion über zwei Arbeitszeitverkürzungstage wurde deutlich, daß es eben nicht genügt, den Wegfall dieser Tage nur im Amtsblatt - verklausuliert hinter Paragraphen - zu kommunizieren. Es gilt immer wieder, die Kultur der Wertschätzung auf allen Ebenen einzufordern. Kein weltliches Unternehmen würde so mit seinen wichtigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommunizieren.

Neben den Wahlen zur Kirchenleitung nahm das Thema "Globalisierung" einen wichtigen Platz ein. Die Synode setzte sich für eine "Globalisierung mit menschlichem Antlitz" ein. Zum Glück - so mein Eindruck - sind viele Möglichkeiten zum bewußten Konsum und zur Einmischung in politische Entscheidungsprozesse den Menschen in unseren Gemeinden bereits vertraut. Daß nun endgültig der Punkt erreicht ist, an dem die Kommunen im Hinblick auf den Trägeranteil bei Kindergärten und Schulen stärker gefordert sind, machte die Synode an mehreren Stellen deutlich. Von gelungenen Verhandlungen in diesem schwierigen Metier berichtete der juristische Vizepräsident Klaus Winterhoff am Beispiel einer Schule in Meinerzhagen.

Zum ersten Mal sang die Synode der EkvW die deutsche Nationalhymne. Dies gewiß nicht im Zuge irgendwelcher aktuellen Diskussionen, sondern eher spontan. Der "Stellenbosch libertas choir" kam zum Ende seiner Europatournee zum Abend der Begegnung der Synode nach Bielefeld. Im Anschluß an sein beeindruckendes Konzert, sang der Chor die südafrikanische Hymne und dann die deutsche Hymne. Wenn Menschen, die für ein gerechtes Zusammenleben aller Rassen gekämpft und gelitten haben, uns Einigkeit und Recht und Freiheit, als des Glückes Unterpfand, zusingen, dann stimme ich gern in dieses Lied ein. Zum ersten Mal auf der Synode und das Fazit?

Aller Papierflut zum Trotz gilt doch das Wort des Einzelnen. Jede Synode hat ihre eigene Dynamik. Pfarrerinnen und Pfarrer haben keinen Grund, sich zu verstecken. Selbstbewusst und nüchtern sollen sie sich in die Diskussion über ihr Berufsbild einmischen. In den Gemeinden, auf jeder Pfarrkonferenz, in allen Gremien der Kirche. "Die da oben" gibt es nur, wenn aus völlig falscher Bescheidenheit geschwiegen und denen, die sowieso schon überall mittendrin sitzen, das Feld überlassen wird.