Landessynode 2003
Da geht noch was!
Ein kommentierender Bericht on Christa A. Thiel
"Die Synode war fleißig!" kommentierte Präses Manfred Sorg abschließend. Recht hat er! Einen Aktenordner - Rückenbreite 75 mm - voller Vorlagen und Beschlüsse haben die Synodalen beraten und verabschiedet. Im Vergleich zu anderen Jahren haben sie nur wenige Beschlussvorschläge an die Kirchenleitung zur Weiterarbeit überwiesen. Kaum eine Abstimmung, die nicht mit großen Mehrheiten zu Stande kam. Präses Sorg glaubt, dass der Reformprozess "Kirche mit Zukunft" mit dieser Synode "aus der Zufälligkeit und Rückholbarkeit" heraus sei.
Aus dem Positionspapier zum "Kirchbild" ist ein "Selbstverständnispapier" geworden. Der eine Teil trägt die Überschriften "Unser Leben - Unser Glaube - Unser Handeln". Bis zu den Kirchenwahlen 2004 soll er der innerkirchlichen und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Der zweite Teil "Unsere Geschichte - Unser Selbstverständnis" richtet sich in erster Linie an haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende der westfälischen Kirche. In einer Zeit, in der Umfragen zur Bedeutung der kirchlichen Feiertage zu dem Ergebnis einer weit verbreiteten Unkenntnis in der Bevölkerung führen, ist zu hoffen, dass diese Papiere reichlich Leser finden und für Gespräche sorgen.
Eine Chance für den Reformprozess, aus leitenden Gremien und Aktenordnern hinaus an die Basis in den Gemeinden zu gelangen. Denn dass er da angekommen sei, bezweifeln etliche. "Sparmaßnahmen sind angekommen!" meinte ein Synodaler. Und um das "Ausschöpfen aller Einsparungen" wird es auch im nächsten Jahr gehen, kündigte der juristische Vizepräsident Klaus Winterhoff an. Dass ausfallende staatliche Gelder nicht durch Kirchensteuermittel aufgefangen werden könnten, sei nämlich kein "taktischer Satz", sondern Realität. Nach sechsjähriger Diskussion hat die Synode jetzt die Einführung des Finanzausgleichsgesetzes zum 1. Januar 2005 beschlossen. "Übergangshilfen" aus einem Sonderfonds sind für einen Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen, innerhalb dessen sie kontinuierlich abgebaut werden. Endlich sei die Konnexität von Aufgabenverantwortung und Ausgabenplanung wieder hergestellt, so Winterhoff.
Im Zusammenhang der Finanzen ist zu berichten, dass die westfälische Pfarrerschaft in diesem Jahr nicht die Hauptrolle in dem Drama "Wer soll das bezahlen?" spielte. Selbst die prozentuale Wiedereinführung der Sonderzuwendung führte kaum zu Diskussionen. Wesentlich stärker beschäftigte die Synode die Vorlage zum Thema Jahresdienstgespräche. Sie beschloss regelmäßige Mitarbeitendengespräche für alle Ebenen der Landeskirche als Baustein der Personalentwicklung und-förderung.
Nach den Kirchenwahlen wird die Landessynode 2004 ein neues Gesicht haben. Ab dem 29. Februar 2004 hat die westfälische Kirche an ihrer Spitze ein neues Gesicht: Die Synodalen wählten den Unnaer Superintendenten Alfred Buß mit einer fast Zweidrittel-Mehrheit zum neuen Präses, nicht zum Bischof. Diese im Vorfeld geführte Diskussion kam auf der Synode selbst nicht mehr auf. Der Initiator des Bischofstitels meinte, ihm sei - insbesondere in Superintendentenkonferenzen - deutlich geworden, dass wir "emotional noch nicht so weit seien". Das mag stimmen! Aber für die Leitung einer Kirche durch einen Präses sprechen nicht nur emotionale, sondern vor allem sachliche, theologische Gründe.
Dass es weiterhin "der" und nicht "die" Präses heißt, ist inzwischen mancherorts kommentiert worden als, die westfälische Kirche sei noch nicht "reif für eine Frau an ihrer Spitze". Doch es gibt Gründe, hier keine "Gender-Problematik" ins Feld zu führen. Immer wieder war von Synodalen zu hören, dass Superintendent Buß überzeugt habe, nicht weil er ein Mann, sondern weil er ein Westfale ist, der "seine Kirche kennt". Nicht nur in seiner Vorstellungsrede sei er authentisch gewesen, auch in den Jahren zuvor habe er sich als glaubwürdig und realistisch erwiesen. "Nicht Abbruch-, sondern Aufbruchunternehmen sein" - mit dieser Devise tritt der designierte Präses an. Nach seiner Wahl deutete er an, möglicherweise könne zum Aufbruch auch die Frage gehören, welche Perspektiven ein Gestaltungsraum Rheinland und Westfalen biete.
Die Synode war fleißig. Ein Aktenordner mit 75 mm Rückenbreite ist gefüllt mit Beschlüssen. Auch oder gerade angesichts der finanziellen Situation und der Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft hat die Synode gezeigt: Da geht noch was! Auch in den Gemeinden vor Ort - hoffentlich!
