Landessynode 2002

 

Was bewegt die Synode?


Ein kommentierender Bericht von Christa A. Thiel

Läuft die Evangelische Kirche von Westfalen Gefahr, zur ecclesia incurvata in se ipsa zu werden? Mit dieser Frage endete mein Synodenbericht 2001. Ein Jahr später kann ich mit einem klaren "Jein!" antworten. Denn das Interessante war, dass wenig von allgemeinem Interesse die Synodalen beschäftigte. Es war - wie von Präses Manfred Sorg angekündigt - eine "Arbeitssynode". Und die Synode arbeitete so, dass einen Tag früher als geplant alle Arbeit getan war. Fast alle Beschlüsse wurden mit nur wenigen Gegenstimmen oder einstimmig verabschiedet. So auch der zur Personalplanung für Theologinnen und Theologen.

 

Personalplanung für Theologinnen und Theologen

Künftig wird der zweite Schnitt, nämlich die 2/3- Regelung, nach dem Zweiten Theologischen Examen entfallen. Gegenwärtig werden 2/3 der Absolventen des Zweiten Theologischen Examens in den Probedienst übernommen, zukünftig kommen nur so viele Theologen in den Vorbereitungsdienst wie auch später eingestellt werden können, nämlich maximal 20 und nicht wie bisher bis zu 30 Personen. Der Nachteil: Vorübergehend können Wartezeiten entstehen. Insgesamt wurde dieser Synodenbeschluß mit Erleichterung aufgenommen und auch als "Befreiungsschlag" bezeichnet, denn zweimal - nach dem ersten und dem zweiten Examen - um die "Nichteinstellung fürchten zu müssen, sei einfach zuviel, wer wolle denn dann noch westfälischer Pfarrer sein", so eine Synodale.

Für die amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer ist interessant, dass bereits ein Jahr vor Ablauf des Maßnahmengesetzes bereits im Jahr 2003 voraussichtlich die Hälfte der Sonderzuwendung wieder gezahlt wird. Kirchenleitung und Ständiger Finanzausschuß sind von der Synode beauftragt, dies zu prüfen, und beide signalisieren, dass es möglich sei. Auch ist der Weg geebnet, die bisherigen "50 Prozent-Stellen" im Entsendungsdienst auf "75 Prozent-Stellen" anzuheben. Im Wortlaut ist der Beschluss hier nachzulesen.

Von den viertägigen Beratungen ist darüber hinaus berichtenswert:

 

Gesundheitswesen

Das Spargesetz von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wird abgelehnt. Denn Reformen seien zwar erforderlich, das so genannte Vorschaltgesetz biete aber "keine Ansätze zu einer menschen- und sachgerechten Strukturreform", so die Synode.

 

Bestattungsgesetz

Die Synode fordert den Düsseldorfer Landtag auf, den Entwurf für ein neues Bestattungsgesetz in NRW zu ändern. Mit der geplanten Aufhebung des Friedhofs- und Bestattungszwanges drohe die Totenruhe "zur privaten Angelegenheit zu werden", heißt es im Synodenbeschluß.

 

Friedensethik

Die Überwindung von Gewalt wird in einem Positionspapier als wichtiges Ziel genannt. Der Zusammenhang von Frieden, Recht und Gerechtigkeit solle Mittelpunkt allen Friedenshandelns sein.

 

Reformprozess

Im Prozess "Kirche mit Zukunft" entwickelt sich zunehmend regionale Zusammenarbeit der 31 westfälischen Kirchenkreise in elf so genannten Gestaltungsräumen. An der Reform des Pfarrbildes wird gearbeitet.

 

Finanzen

Der landeskirchliche Haushalt 2003 steigt gegenüber diesem Jahr um 3,3 Prozent auf 234 Millionen Euro. Für das kommende Jahr wird mit Kirchensteuereinnahmen von 420 Millionen Euro gerechnet, für die Folgejahre mit einem Rückgang der Einnahmen.

 

Kircheneintritt

Die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche kann künftig auch in sogenannten Wiedereintrittsstellen beantragt werden. In der Regel soll aber nach wie vor die örtliche Gemeinde entscheiden.

 

Union Evangelischer Kirchen

Die westfälische Kirche tritt der geplanten Union Evangelischer Kirchen (UEK) bei. Sie soll Mitte des kommenden Jahres gegründet werden und langfristig in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aufgehen.

 

Amtszeit des Präses

Die Amtszeit von Präses Manfred Sorg wird um vier Monate bis Ende 2004 verlängert, damit keine Vakanz eintritt und zur Wahl des Nachfolgers keine Sondersynode nötig wird.

 

Fazit

Um diese Themen ging es hauptsächlich bei der diesjährigen Synode. Gespräche in der Kaffeepause und bei Tisch kreisten immer wieder um die Frage: Wer wird Nachfolger im Amt des Präses? Eine wichtige Frage. Aber kann es die wichtigste Frage sein in einer presbyterial-synodal strukturierten Kirche? In einer Kirche, die es - wie es ein Synodaler in der Plenarsitzung formulierte - nötig habe, sich Klarheit darüber zu verschaffen, welche Rolle sie in Zukunft habe, wenn es um Werte und politische Entscheidungen in dieser Gesellschaft gehe? Mein Eindruck ist: Auch die Menschen in Westfalen erwarten, noch etwas von ihrer Kirche zu hören und zu erleben. Möglicherweise wird die Kirche aber bald nur noch ein "Sinnstifter" auf dem "Markt der religiösen Sinngeber" sein. Hierbei mag ein Signal sein, wie inzwischen die Buchhandlungen im Bereich Religion sortiert sind:

Die christlichen Bücher weichen rein zahlenmäßig dem Angebot esoterischer Literatur. Weitere Ausschusssitzungen helfen da meines Erachtens wenig. Auch nicht der Vorschlag eines Synodalen, der bei seiner Berichterstattung die persönliche Bemerkung einbrachte, er schlage vor, die Bezeichnung "Präses" im Zusammenhang der nächsten Präseswahl in "Bischof" oder "Bischöfin" zu ändern. "Der Mensch heißt Mensch, weil er irrt und weil er kämpft, weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt..." das höre ich seit Wochen im Radio. Herbert Grönemeyer hat Erfolg mit seinem Song. Offensichtlich wollen Menschen eine Antwort hören auf die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Deshalb braucht eine Kirche mit Zukunft vor allem dies: Solide Theologie und mehr Nähe zu den Menschen.