Landessynode 2001
Was muss sich ändern, damit es besser wird?
Ein kommentierender Bericht von Christa A. Thiel
Die Evangelische Kirche von Westfalen geht weiter auf dem Weg des Reformprozesses. Präses Manfred Sorg bezeichnete die diesbezügliche Entschließung der Synode als "ein entschlossenes Ja zu einem entschiedenen Reformprozess". Am Ende der Synode sagte er: "Die Botschaft dieser Synode lautet: diese Kirche meint es ernst mit der Reform. Wir hatten das gehofft, aber es war doch alles andere als kalkulierbar oder gar selbstverständlich."
Gestaltungsräume
Kalkulierbar und selbstverständlich wird der Weg des Reformprozesses aus meiner Sicht auch weiterhin nicht sein. Rahmenbedingungen sind vereinbart: Zur Finanzierung des Reformprozesses hat die Synode einen Betrag von 500.000 Euro für das kommende Haushaltsjahr beschlossen. Es wird elf Gestaltungsräume geben. Es geht um "nachbarschaftliche Kooperation". Für diese schlägt die Synode den Kirchenkreisen als mögliche gemeinsame Aufgabenbereiche beispielsweise die Diakonie, die Öffentlichkeitsarbeit, die Verwaltung und Rechnungsprüfung vor.
Drei Instrumentarien sollen dabei die Arbeit in den Gestaltungsräumen gewährleisten:
- Ein Kooperationsgremium, gebildet aus den jeweiligen Kreissynodalvorständen
- gemeinsame Dienstgespräche der jeweiligen Superintendenten und Verwaltungsleiter sowie
- das Projektbüro der Landeskirche, das die Gestaltungsräume beraten und den Austausch der Gestaltungsräume untereinander sowie mit der Landeskirche fördern soll.
Eine Zeitschiene bis zum Jahr 2005 wurde vereinbart. Beim Blick auf die gesamte westfälische Kirche zeigt sich mir, dass einige Kirchenkreise, was gemeinsame Aufgabenbereiche angeht, schon heute ihre Hausaufgaben so gut wie erledigt haben, es bei anderen noch viel zu verhandeln gibt. Das zeigt einmal mehr, dass der Reformprozess teilweise Dinge ins Gespräch bringt, die mancherorts bereits Wirklichkeit sind.
Pfarrbild
Die Synode erteilte eine Reihe von Arbeitsaufträgen. Sie betreffen Themen wie Selbstverständnis der Kirche, Gemeindekonzepte, Ehrenamt, hauptberufliche Mitarbeiter, Leitung und Pfarrbild. Zu diesen Bereichen erarbeiteten die Ausschüsse der Synode bereits - in den Worten von Präses Manfred Sorg - "intentionale Texte". Die Kirchenleitung wird Projektgruppen beauftragen, an diesen Texten weiterzuarbeiten. Beim künftigen Pfarrbild geht es dabei um Themen wie
- Erstellen von Gemeindekonzeptionen durch die Presbyterien
- Überprüfen von Dienstanweisungen unter dem Aspekt, ob sie Hilfestellungen für die Erfüllung des Dienstes geben
- Verpflichtung zur Fortbildung über die ersten Amtsjahre hinaus
- Problematik der Statusunterschiede innerhalb der Theologenschaft
- Beibehaltung der Residenzpflicht, aber Flexibilisierung der Dienstwohnungspflicht.
Mit und an diesem Papier kann meines Erachtens die westfälische Pfarrerinnen- und Pfarrerschaft weiterarbeiten. Es wird allerdings darauf zu achten sein, der Gefahr der lyrischen Formulierungen zu widerstehen und stattdessen zu theologisch verantwortbaren Aussagen zu kommen, selbstbewusst und ohne Wehleidigkeit. Denn wie stellen sich die Dienerinnen und Diener am Worte Gottes dar, wenn sie beispielsweise formulieren "Ihr Beruf, in der Ordination übernommen, wird von vielen Pfarrerinnen und Pfarrern als schöner Dienst empfunden, den sie gerne tun - der sie aber auch belastet." Es schließt sich der Wunsch nach freier Zeit für sich selber und die Familie an. Sind westfälische Theologen unfähig ihre Zeiteinteilung selbständig zu regeln? Brauchen sie dazu einen Reformprozess? Das mag sich da so mancher Nichttheologe fragen.
Finanzausgleichsgesetz
Die Synode hat der Neufassung des Finanzausgleichsgesetzes im Grundsatz zugestimmt und wird es im Jahre 2003 abschließend beraten. "Bei der Umsetzung sind ausreichend lange Übergangsfristen bzw. erforderliche Härtefallregelungen vorzusehen", heißt es im Beschluss. Im Tagungsfinanzausschuss herrschte Einigkeit darüber, dass damit beispielsweise das Problem der Höhe des Anteils der Personalkosten für Theologinnen und Theologen nicht gelöst sei, aber die Ebene, auf der es gelöst werden kann, verschoben ist. Die Kirchenkreise werden stärker eingebunden in die Personal- und Stellenplanung für Theologinnen und Theologen. Außerdem stimmte die Landessynode zu, dass ab dem 1. Januar 2003 die Beihilfe zentral abgerechnet wird. Bei welchem Anbieter, wird geprüft. In Anbetracht der in den letzten Jahren immer komplizierter gewordenen Abrechnungsverfahren sehe ich hierin einen Vorteil. Denn es häuften sich Anfragen beim Pfarrverein über Beihilfeleistungen. Offensichtlich gab es unterschiedliche Handhabungen von Seiten der Beihilfeabrechnungsstellen.
Fazit
"Diese Kirche meint es ernst mit der Reform", sagte der Präses. Die westfälische Kirche hat sich auf den Weg des Reformprozesses begeben. Das ist so. Und das ist vielleicht auch gut so. Denn es muss sich was ändern, damit es besser wird. Aber Aktivismus in leitenden Gremien darf nicht verwechselt werden mit dem Leben der Kirche. Denn Synodenpapiere und Erklärungen allein entscheiden nicht darüber, ob der Glaube an den lebendigen Gott Gestalt annimmt im Leben der westfälischen Gemeindemitglieder. Ein in Projektgruppen erarbeitetes und erneuertes Pfarrbild sagt wenig darüber aus, ob Theologen ihrem Auftrag nun besser nachkommen. Veränderte Strukturen bedeuten nicht gleichzeitig, dass sich die Menschen ändern, die diese Strukturen mit Leben füllen. Anspruch und Wirklichkeit des Reformprozesses können auseinander klaffen, müssen es aber nicht. Es sei denn die Kirche wird zur ecclesia incurvata in se ipsa.
