Landessynode 2000
Für die Landessynode im November 2000 gab Christa A. Thiel nachfolgenden Tätigkeitsbericht über die letzten Jahre ab:
Personalvertretung in Zeiten widerstrebender Interessen kennzeichnet die Arbeit des Evangelischen Pfarrvereins in Westfalen (PV) im Berichtszeitraum.
Widerstrebende Interessen insofern, als im Zusammenhang der Finanzdiskussionen des landeskirchlichen Haushaltes nichttheologische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Einschnitte in ihre Arbeit aufgrund des Volumens des Haushaltes zur Pfarrerbesoldung befürchteten. Widerstrebende Interessen auch insofern, als die Interessenlage innerhalb der Theologenschaft sich zu einem Gemenge unterschiedlicher und auch gegensätzlicher Interessen entwickelt hat. Gab es in den Jahrzehnten zuvor mitunter Konkurrenzängste und Legitimationsbedürfnisse, wenn es um die Anerkennung und Zuordnung von funktionalen und gemeindlichen Diensten ging, so hat sich die Situation grundlegend geändert: So geht es zunehmend nicht mehr um die Frage, in welcher Form arbeite ich als Theologe oder Theologin in dieser Kirche, sondern: Finde ich hier überhaupt eine Beschäftigung?
Der PV erlebt in seiner Arbeit nicht mehr nur eine Theologenschaft, bestehend aus Ruheständlern und in Pfarrstellen gewählten Mitgliedern. Hinzugekommen ist die Gruppe der Pfarrer und Pfarrerinnen i. E.. Auch diese ist in sich unterschiedlich: Einerseits die Gruppe derjenigen, die in ganzen und unbefristeten Dienstverhältnissen mit minderer Pfarrbesoldung arbeitet, andererseits die Gruppe derjenigen, die im eingeschränkten Dienst tätig sein müssen und deren Dienstverhältnisse nicht als unbefristete angelegt sind. Weiterhin warten angehende Vikarinnen und Vikare bis zu drei Jahren auf ihre Aufnahme ins Vikariat.
Laut Synodenbeschluß wird darüber hinaus jeweils nur die Hälfte derjenigen Menschen, die das Erste Theologische Examen abgelegt haben, nach einem Auswahlverfahren auf die Warteliste für das Vikariat aufgenommen. Ein weiteres Auswahlverfahren nach dem Zweiten Theologischen Examen ist im Gespräch. Damit sollen die Zugänge zum Probedienst um ein Drittel pro Examensjahrgang reduziert werden. Diese einschneidenden Maßnahmen haben - so die Wahrnehmung des PV bei Einzelberatungen und auf Mitgliederversammlungen - zu Unruhe, Demotivation und Konkurrenz geführt. Die Verläßlichkeit der Arbeitgeberin Kirche wird angezweifelt.
Als sich abzeichnete, welche Maßnahmen bei der Personalplanung für Theologinnen und Theologen der Landessynode 1998 vorgeschlagen wurden, führte der PV im Vorfeld der Synode eine Umfrage unter der Theologenschaft durch, um sich in dem Interessengemenge zu positionieren.
- Die Mehrheit der Befragten sprach sich dafür aus, daß allen Theologinnen und Theologen ihre Ausbildung bis zum Zweiten Theologischem Examen (inklusive Ordination) ermöglicht werden solle. Dieses Votum fand auf der Landessynode 1998 keine Mehrheit. Oben beschriebene Einschnitte wurden beschlossen.
- Die Mehrheit der Befragten lehnte den Vorschlag einer generellen Neubewertung der Pfarrstellen nach A 13 ab. Sie sprach sich für die Beibehaltung von A13 und A14 aus unter vorläufigem Verzicht auf die Wiedereinführung der Sonderzuwendung. Dies fand eine Mehrheit auf der Landessynode.
- Der PV hat sich seit Jahren für die Einführung eines "Sabbatjahres" eingesetzt. Dies ist inzwischen möglich.
- Bereits im September 1997 hat der PV einen Beschäftigungsfonds eingerichtet. Die Spendenhöhe beträgt 161.896,00 Mark (Mai 2000). Gefördert wird z.Z. eine westfälische Theologin im Gemeindedienst in den neuen Bundesländern, die dort ihre Ausbildung nach einem Gemeindepraktikum beenden wird.
- Zur Zeit haben Ruheständler und Theologinnen und Theologen im aktiven Dienst um bis zu 15 Prozent geminderte Bezüge. Der Vorruhestand von Pfarrstelleninhabern konnte durch die befristete Streichung der Sonderzuwendung finanziert werden, und damit möglichst vielen des theologischen Nachwuchses eine Beschäftigung ermöglicht werden. Der PV ermuntert seine Mitglieder vom Vorruhestand Gebrauch zu machen, betont aber, daß dies nur freiwillig geschehen könne.
Im letzten Jahr des Berichtszeitraumes sind folgende Themen besonders behandelt worden:
- Der Vorschlag des Vorstandes auf eine Verlängerung der Vorruhestandsregelung über 2001 hinaus hat aus finanziellen Gründen keine Berücksichtigung finden können. Doch ist in diesem Zusammenhang die Regelung der Altersteildienst-Ordnung - parallel zum Öffentlichen Dienst bis zum 31.07.2004 befristet (Altersteilzeitgesetz) - zu begrüßen.
- Ein weiteres Auswahlverfahren nach dem Zweiten Theologischen Examen für die Übernahme in den Probedienst lehnt der PV ab. Er hat in seiner Stellungnahme zur "Verordnung für die Aufnahme in den Probedienst" erklärt: "Der Vorstand verweist auf seine früheren Stellungnahmen, daß möglichst vielen Theologinnen und Theologen der Dienst in unserer Kirche ermöglicht werden soll. (...) Er geht davon aus, daß um möglichst vielen die Aufnahme in den Probedienst zu ermöglichen, die bisherige Übergangslösung mit 50 %-Stellen längerfristig beibehalten werden soll." An dieser grundsätzlichen Aussage hält der Vorstand fest und hat diese auch in Gesprächen mit dem Konvent der Vikarinnen und Vikare und dem Konvent der Pfarrerinnen und Pfarrer z. A./i. E. deutlich gemacht.
- Um einen Interessensaustausch und Informationsfluß mit dem Konvent der Pfarrerinnen und Pfarrer z.A. / i.E. zu gewährleisten, hat der Vorstand des PV Ende 1999 einen Pfarrer z.A. als beratendes Mitglied in den Vorstand berufen.
- Das Ergebnis um die neue Dienstwohnungsverordnung kommentierte Oberkirchenrat Paul Kaldewey im Januar im Pfarrinfo unter der Überschrift "Abschied von der ,freien' Dienstwohnung" so: "Insgesamt darf wohl gesagt werden, daß es nicht zuletzt mit Hilfe des Pfarrvereins gelungen ist, die notwendigen Umstellungen der die Dienstwohnungen betreffenden Vorschriften ohne zusätzliche Belastung der Pfarrerschaft vorzunehmen, dem alten System strukturell innewohnende Ungerechtigkeiten zu beseitigen und insbesondere für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Besoldungsgruppe A 13 sowie im Entsendungsdienst, soweit ihnen Dienstwohnungen zugewiesen sind, eine spürbare finanzielle Entlastung zu bewirken."
Schwerpunktmäßig
- arbeitet der PV gegenwärtig an dem Fragenkomplex um das Pfarrbild der Zukunft,
- intensiviert seinen Austausch mit der Vereinigung Kirchlicher Mitarbeiter,
- will seine Mitglieder schneller und gezielter informieren, indem zwischenzeitlich neben die Mitgliederzeitschrift "Nachrichten" verstärkt Rundbriefe treten,
- ermöglicht durch gezielte Veranstaltungen mehr Kommunikation unter den verschiedenen Interessensgruppen der Theologenschaft und
- setzt sich für verläßliche Dienstverhältnisse in der westfälischen Theologenschaft ein
