Bericht zur Mitgliederversammlung des Pfarrvereins - 9. Juni 2008
Pfarrberuf mit Zukunft
war der Bericht der Kirchenleitung für die Landessynode 2007 zur Weiterentwicklung des Pfarrdienstes in Westfalen überschrieben. Gern erinnere ich heute an die Beschlussfassung zu dieser Vorlage, in der es unter anderem heißt: "Für die Diskussion über den Pfarrberuf hat sich die Ordination als Ausgangspunkt als außerordentlich fruchtbar erwiesen".
- Die im Ordinationsvorhalt beschriebenen Aufgaben stellen ein Grundmuster für die Dienstanweisungen der Pfarrerinnen und Pfarrer in allen Aufgabenfeldern dar. Diese gemeinsame Basis lässt Differenzierung und Gestaltungsfreiheit zu.
- Das Amt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung erfordert theologische Urteilsfähigkeit und "Pluralitätskompetenz". Eine hohe Verständnis-und Sprachfähigkeit in unterschiedlichen Milieus und Lebenssituationen ist für pastorales Handeln, Bildungs- und Leitungsaufgaben besonders wichtig.
- Zu einer wesentlichen Aufgabe des Pfarrberufes gehört es, Menschen auf ihre Taufe anzusprechen und sie zu ermutigen, ihre Charismen zu entfalten ("to equip the saints", Eph4,12).
- In der Vergangenheit kam es zu gravierenden Einschnitten und Mehrbelastungen für den Pfarrberuf.Der Pfarrberuf muss deutlich attraktiver gestaltet werden, um ihn zukunftsfähig zu machen.
Soweit aus dem Synodenbeschluss. Auf der Grundlage des Berichtes der Kirchenleitung soll das Gespräch über das Pfarrbild nun auf allen Ebenen der Landeskirche, insbesondere auf der Gemeindeebene, fortgeführt werden. Dabei geht es um nachhaltige Sicherung der vorhandenen "Qualität im pastoralen Dienst" mit Hilfe vielfältiger Unterstützungssysteme und verbesserten beruflichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus soll ein Leitfaden erstellt werden, "der allen Leitungsgremien auf den verschiedenen Ebenen als hilfreiches Instrument zur Gestaltung des pastoralen Dienstes zur Verfügung gestellt wird." Die hier gegebenen Anregungen und Aspekte wecken für die Zukunft des pfarramtlichen Alltags Hoffnungen.
Andererseits ist aber auch erkennbar:
Während der Reformprozess "Kirche mit Zukunft" in seinen vielschichtigen Ausführungen sich auf einen vorläufigen (ecclesia semper reformanda!) Abschluss im Rahmen der kommenden Landessynode 2008 zu bewegt, gehen die Strukturdebatten, personalplanerischen Überlegungen und Fusionsbestrebungen auf Kirchenkreis- und Gemeindeebenen unvermindert weiter. Verständlicherweise, denn nun gilt es die gewonnenen Einsichten auf den unterschiedlichen Ebenen umzusetzen. Diese Schritte fuhren nicht selten dazu, dass das theologische Nachdenken in den Hintergrund rückt und die personalplanerischen Konsequenzen verstärkt zu Herausforderungen unterschiedlicher Art für alle Beteiligten - insbesondere aber für die von den Maßnahmen direkt betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrern führen. Gemeindefusionen und damit verbundene Pfarrstellenaufhebungen sorgen für Angst und Frustration.
Damit einhergehen das Gefühl der "Nichtwahrnehmung und fehlenden Wertschätzung" des vorhandenen Engagements auf Gemeindeebene und in Funktionsstellen und die zusätzlichen steigenden finanziellen Belastungen der Pfarrschaft durch die Erhöhung der „normalen" Lebenshaltungskosten - im Energiekostensektor allemal - bei stagnierendem Gehalt mit den im Maßnahmengesetz II 2006 verabschiedeten Einschränkungen und den längerfristigen Streichungen der Sonderzuwendungen. Diese Entwicklungsschübe sorgen u.a. dafür, dass eine Reihe von Pfarrerinnen und Pfarrern in eine sogenannte "innere Emigration" gehen, d.h. ihren Dienst wohl versehen, sich zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen jedoch eher verschließen bis hinzu einer "inneren Distanz" dem "Arbeitgeber Kirche" gegenüber.
Dies erfolgt umso mehr, wenn Leitungsgremien bei notwendigen Struktur-veränderungen die notwendige Transparenz und die Einbindung der Betroffenen in den Entscheidungsprozess vermissen lassen. Diese Signale - nicht nur in der westfälischen Kirche erkennbar - erfüllen mit großer Sorge, was in einer Reihe von juristischen Verfahren und Gründungen von Selbsthilfeinitiativen wie "D.A.V.I.D." und der "Melsunger Initiative" EKD-weit seinen Ausdruck findet. "Berufung Rufmord Abberufung" lautet der bezeichnende Titel einer Schrift, in der an konkreten Beispielen die Praxis der Anwendung des Ungedeihlichkeitsparagrafen in einigen Landeskirchen entfaltet wird. Dieses Werk lässt erkennen, welche Wege kirchenleitende Organe manchmal beschreiten, um Konfliktsituationen zu entschärfen bzw. zu beheben und dabei weitere Kontroversen hervorrufen. (Literaturangabe s.u.)
| weiter zur nächsten Seite |
